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Viele Autoren, die über Schnauzer und Pinscher schrieben, wollten den Beweis
antreten, die beiden Rassen liessen sich in direkter Linie auf den Torfhund der
Pfahlbauer zurückführen. Und was uralt ist, muss auch gut sein!
Sie stützten sich dabei auf den Berner Zoologen T. Studer (1845-1922), der die
Schädel jungsteinzeitlicher Hunde aus den Pfahlbaustationen der schweizerischen
Mittellandseen untersucht und dabei direkte Abstammungslinien zu heutigen Rassen
gezogen hat. Nach ihm sollte der kleine Torfhund Canis familiaris palustris
Rütimeyer die Stammform aller Terrier, Schnauzer, Pinscher und Spitze sein. Was
Studer bei seinen Vergleichen nicht oder zu wenig beachtet hat, ist, dass die
von ihm als Rassenmerkmale interpretierten Formunterschiede der prähistorischen
Schädel lediglich eine Folge der Grössenunterschiede sind und keineswegs eine
Rasse eindeutig charakterisieren.
Wir können also die direkte Torfhundabstammung unserer Schnauzer ruhig fallen
lassen und ganz nüchtern feststellen, dass die Schnauzer und Pinscher Ende des
letzten Jahrhunderts aus dem grossen Sammelsurium der kleinen bis mittelgrossen
Bauernhunde im süddeutschen Raume hervorgegangen sind.
Voraussetzung für die Abtrennung des Schnauzers von ähnlichen Hunden war eine
recht eigentümliche Mutation, welche bewirkt, dass anstelle der bei Hunden sonst
üblichen kurzen Behaarung im Gesicht und an den Läufen eine lange Behaarung
tritt. Obschon sich Schnauzer und Pinscher im übrigen anatomisch völlig
gleichen, trennte der Rauhhaarfaktor die beiden Typen derart stark, dass von zwei
verschiedenen Rassen gesprochen werden konnte. Lange Zeit betrachtete man beide,
den glatthaarigen und den rauhhaarigen, als Varietäten ein und derselben Rasse
und sprach von rauhhaarigen und von glatthaarigen Pinschern und hat auch beide
untereinander verpaart. Seit Beginn der Reinzucht hat man jedoch derartige
Kreuzungen vermieden.
Kleine, struppige Hunde gab es wohl zu allen Zeiten, ohne dass man sie als Rasse
planmässig gezüchtet hätte.
Alte schriftliche oder bildliche Dokumente können für die Geschichte der
Schnauzer kaum herangezogen werden, sie sagen recht wenig aus. Diese Hunde
fielen weder durch ein besonders schönes Haarkleid noch durch ein besonders
Körperform auf, und so fanden sie kaum Zugang zu den gehoberen Volksschichten
und somit auch kaum die Beachtung der Maler, die sie mit Pinsel oder Zeichenstift
festgehalten hätten.
Überliefert wird, dass sich diese Hunde am liebsten in Pferdeställen aufhielten,
weil sie die Wärme liebten. Seine Neigung zum Jagen ist ihm angeboren, in
Häusern gehalten, sucht er ihr dadurch zu genügen..., dass er den Ratten
nachstellt, sagt H.G. Reichenbach im Jahre 1836 vom Pinscher. Fest steht, dass
die Vorfahren des Schnauzers die Hunde der Fuhrleute und Stallknechte gewesen
sind. Die Hunde waren kleiner als die heutigen.
Im Schweizerischen Hundestammbuch werden bei den ersten Mittelschnauzern Grössen
zwischen 36 und 42cm angegeben, und für die Zwergschnauzer finde ich Gewichtsangaben von 3,5kg. Häufiger waren,
so sagt der Tiermaler und Kynologe Richard Strebel, Hunde mit Mopsschnauzen,
also mit starkem Vorbiss.
Bekannte Kynologen des 19. Jahrhunderts attestieren diesen Stallpinschern
Schneid und Schärfe, Wachsamkeit, Anhänglichkeit, Erbitterung auf alles niedere
Raubzeug, insbesondere auf Ratten und ausgesprochene Vorliebe zu Pferden.
Beliebt waren diese Hunde vor allem in Süddeutschland.
Was verlangten nun der Fuhrmann und der Stallknecht von ihrem Hund? Wo
tagtägliche Pferde mit Hafer gefüttert werden, da mieten sich Mäuse und Ratten
ein. Sie fressen das teure Futter und beschmutzen es. Der Kampf gegen diese
Schmarotzer musste ununterbrochen geführt werden. Es war Aufgabe der Hunde, das
Gesindel kurz zu halten. Dazu brauchte man einen kleinen, wendigen und
furchlosen Hund mit ausgesprochener Jagdpassion. Ratten können sich ganz
energisch zur Wehr setzen; ein Hund mit struppigem Haar um die Schnauze war hier
entschieden von Vorteil, und damit sich die Ratten nicht in die Ohren des Hundes
verbeissen konnten, schnitt man ihm diese kurz ab.
Des Nachts mussten die teuren Fuhren und die Pferde bewacht werden.
Pferdestehlen war zeitweise direkt ein Beruf! Der Hund musste also Stall und
Fuhren bewachen. Er sollte deshalb misstrauisch gegen jeden Fremden, wachsam und
auch angriffig sein und vor allem einen ausgeprägten Sinn für das Eigentum
seines Herrn haben. Morgens früh ging die Fahrt weiter. Sie dauerte, mit
Unterbrechungen, bis gegen Abend. Die Tagesleistung lag so um die 20 Kilometer
herum. Der Hund musste mitlaufen, und zwar bei jedem Wetter, er musste auch
während der Mittagsrast sein Wächteramt ausüben und auch am Abend wieder auf dem
Posten sein. Hierfür brauchte man einen zähen, ausdauernden und wetterharten
Hund.
Wir können kaum annehmen, dass Fuhrleute und Stallknechte sich gross um die
Verpflegung ihrer Hunde gekümmert haben. Somit mussten diese genügsam sein,
fähig, sich ihre Nahrung allein zu beschaffen und sich selber die geeignete
Unterkunft für die Nacht zu suchen. Wer all diesen Anforderungen nicht genügte,
der schied aus. Zuchtauslese wurde nur nach Gebraucheigenschaften betrieben.
Farbe und körperliches Ebenmass spielten da kaum eine Rolle.
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