
Absinken der Rektaltemperatur: Um den
12 bis 48 Stunden vor der Geburt stattfindenden Temperaturabfall um
1 Grad Celsius festzustellen, muss die Rektaltemperatur zweimal
täglich gemessen werden. |
Die klinischen
Anzeichen
- Beginnende Milchbildung: Das so genannte
Einschiessen der Milch, setzt etwa eine Woche vor der Geburt ein.
Allerdings schiesst die Milch bei Hündinnen, die bereits Würfe zur Welt
gebracht haben, manchmal deutlich früher ein, bei Erstgebärenden oft
später.
- Erweiterung der Vulva und der Beckenränder: In der letzten
Trächtigkeitswoche kommt es aufgrund eines leichten Anstiegs des
Östrogenspiegels zu einer Erweiterung und Anschwellung der Vulva und
einer Streckung der Beckenbänder. Die äussere Form der Hündin kann sich
verändern.
- Austreten des Schleimpfropfens: Der Schleimpfropfen, der während der
Trächtigkeit den Gebärmutterhals verschliesst, tritt etwa 24 Stunden bis
unmittelbar vor der Geburt aus. Die aus der Scheidenöffnung fliessende
Flüssigkeit ist klar. Allerdings ist dieses Anzeichen nicht immer sehr
eindeutig und gilt daher als eher unzuverlässig.
- Abfluss des Plazentapigments: Wenn sich die Plazenten zu lösen
beginnen, ergiesst sich Uteroverdin - das Plazentapigment - in die
Gebärmutter. Die Hündin zeigt einen dunkelgrünen Scheidenausfluss. Die
Geburt hat begonnen.
Verhaltensänderungen
- Kratzen am Boden: Zwischen sieben und einen Tag vor der Geburt,
beginnt sich die Gebärmutter leicht zusammenzuziehen. Diese
Kontraktionen sind von aussen nicht zu erkennen. Sie leiten aber eine
Verhaltensänderung bei der Hündin ein: Sie beginnt, mit ihren
Vorderpfoten intensiv auf dem Boden zu kratzen. Dieses Verhalten kann
sehr spektakulär sein, hat aber keinerlei nachteilige Bedeutung.
- Appetitlosigkeit: Die meisten Hündinnen wollen in den Stunden vor der
Geburt nicht mehr fressen. Dies ist ein relativ zuverlässiges Anzeichen
für die unmittelbar bevorstehende Geburt.
Die hormonellen Veränderungen
Zum Zeitpunkt der Geburt unterliegt die Hündin erheblichen
hormonellen Veränderungen. Ohne sie setzen die Wehen nicht ein und die
Geburt kann nicht eingeleitet werden. Der Östrogenspiegel steigt leicht
an. Die wichtigste Veränderung ist der abrupte Abfall des bis dahin
relativ hohen Progesteronspiegels im Blut. Tierärzte stellen so fest, ob
sich eine Hündin bereits in der Geburt befindet: Ist dies der Fall, muss
die Progesteronkonzentration im Bereich ihres Basiswertes liegen, also
unter 2 ng/ml.
Wie kann die nahende Geburt nachgewiesen werden?
- Rektaltemperaturmessung: Der plötzliche Abfall der
Progesteronkonzentration im Blut zwischen 12 bis 48 Stunden vor Beginn
der Wehen stört die Thermoregulation des Organismus, die
Rektaltemperatur fällt für einige Stunden ab und steigt anschliessend
wieder an. In der Woche vor dem Geburtstermin messen viele Züchter die
Rektaltemperatur ihrer Hündinnen routinemässig drei- bis viermal
täglich. Im Idealfall wird jeder einzelne Temperaturwert notiert. Etwa
12 bis 24 Stunden vor der Geburt sinkt die Temperatur im Allgemeinen -
leider nicht immer - um etwa ein Grad gegenüber der
Durchschnittstemperatur der vorangegangenen Tage. |
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Geburtsverlauf - Die Phasen der
Geburt
Eine Geburt bedeutet Stress.
Umso wichtiger ist es, Ruhe zu bewahren und an das Motto der
Hebammen zu denken: "Die Kunst der Geburt ist Warten zu können".
Die normale Geburtsdauer
Die Gesamtdauer der Geburt ist sehr variabel. Sie ist abhängig
von der Rasse, von der Grösse des Wurfes und schliesslich von der
Frage, ob die Hündin bereits zuvor geworfen hat oder ob es sich um
eine Erstgebärende handelt. In der Regel spielt sich die gesamte
Geburt innerhalb von 4 bis 8 Stunden ab. Manchmal dauert sie
aber auch sehr viel länger, insbesondere, wen eine Hündin einen
zahlenmässig sehr grossen Wurf erwartet. Nicht selten ruht sie sich
ein paar Stunden aus, nachdem sie einen Teil der Welpen ausgetrieben
hat, oder wenn es sich um eine erstgebärende Hündin handelt. Der
durchschnittliche Abstand zwischen der Austreibung zweier Welpen
beträgt 20 bis 30 Minuten. Hierbei handelt es sich aber nur um einen
Mittelwert. In der Regel verlängern sich die Abstände gegen Ende der
Geburt. Um Komplikationen zu vermeiden, wird empfohlen, einen
Tierarzt zu Rate zu ziehen, wenn der Abstand zwischen zwei
aufeinander folgenden Welpen drei bis vier Stunden überschreitet, oder wenn
die Hündin keinerlei Wehen zeigt. Tierärztliche Hilfe muss auch dann
unverzüglich in Anspruch genommen werden, wenn die Hündin Wehen hat,
aber kein Welpe ausgetrieben wird.
Die Geburt der Welpen
Die Geburtswehen beginnen mit schrittweise steigender
Intensität. Anfangs sind sie von aussen nicht unmittelbar
wahrnehmbar. Die Hündin beginnt lediglich zu hecheln und zeigt einen
sorgenvollen Gesichtsausdruck.
- Platzen der ersten Fruchtblase (Allantois): Sie platzt im
Allgemeinen relativ früh vor der Austreibung des ersten Welpen. Das
Abfliessen der Flüssigkeit beobachtet man nicht immer, stellt jedoch
fest, dass der Liegeplatz der Hündin nass ist.
- Wehen und Erscheinen der zweiten Fruchtblase: In den Minuten
unmittelbar vor der Austreibung ist die Hündin oft sehr erregt. Sie
steht auf, dreht sich und wimmert. Gelegentlich nimmt sie eine
gekrümmte Körperhaltung ein, als wolle sie Kot absetzen. Wehen, also
starke Kontraktionen des Bauches sind jetzt in Abständen von 30 bis
60 Sekunden zu beobachten, unterbrochen von kurzen Ruhephasen. Nach
einer etwas stärkeren Wehe erscheint schliesslich eine grünlich
gefärbte Fruchthülle in der Scheidenöffnung. Hierbei handelt sich
um die den Welpen umschliessenden Amnionhülle. Wenn sie platzt,
ist dies nicht bedenklich. Ist sie dagegen in der Scheidenöffnung
sichtbar, und die Geburt geht im Verlauf einer Stunde nicht voran,
muss unverzüglich tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.
In diesem Fall ist der Welpe entweder zu gross, er liegt falsch,
oder die Hündin leidet unter einer Wehenschwäche.
Nach einer etwas stärkeren Kontraktion tritt schliesslich der Welpe
aus, meist mit einer einzigen Presswehe. Ist dies nicht der Fall,
muss man die Hündin aufstellen und den Welpen im Takt mit den Wehen
vorsichtig nach unten herausziehen. Bleibt ein Welpe zu lange Zeit
im Becken stecken, kann es einen Sauerstoffmangel erleiden und ist
oft nur sehr schwer zu reanimieren. Die Amnionhülle wird in der
Regel von der Mutter durch Lecken eröffnet. Ist dies nicht der Fall,
muss sie von Hand geöffnet werden. Bei Fleischfressern ist die
Nabelschnur sehr kurz. Der Welpe muss sofort nach der Geburt mit der
selbständigen Atmung beginnen, da die mütterliche
Sauerstoffversorgung nicht mehr zur Verfügung steht. Bleibt er zu
lange Zeit in der geschlossenen Amnionhülle, atmet er anstelle von
Luft die Amnionflüssigkeit ein. Die Plazenta oder Nachgeburt folgt
in der Regel innerhalb weniger Minuten nach der Geburt des Welpen.
Dies muss sehr aufmerksam beobachtet werden, da ein Verbleib in der
Gebärmutter nach der Geburt zu Problemen führen kann.
Gibt es Faktoren, die die Geburt bei der Hündin stören können?
Stress und Infektionen sind Risikofaktoren für einen normalen
Ablauf der Geburt, aber auch für das Überleben der neugeborenen
Welpen nach der Geburt. Entscheidend ist, dass die Hündin in einer
vertrauten, bekannten und ruhigen Umgebung untergebracht wird, damit
sie sich optimal auf die Geburt vorbereiten kann. Deshalb wird
empfohlen, eine Hündin spätestens drei Wochen vor dem
voraussichtlichen Geburtstermin in einem speziellen Geburtsraum
unterzubringen, damit sie sich sicher fühlt und sich an die dort
vorhandenen Mikoorganismen gewöhnen kann. Auf diese Weise wird
Stress, der die Kontraktionen der Gebärmutter in erheblichem Masse
hemmen kann, so weit wie möglich vermieden, und das Immunsystem der
Hündin erhält ausreichend Zeit für die Bildung spezifischer
Antikörper gegen die dort vorhandenen Infektionserreger, denen die
Hündin zuvor möglicherweise noch nie ausgesetzt war. Da die Welpen
nahezu 85% ihres Immunschutzes über das Kolostrum (erste
Muttermilch) erhalten, ist dies eine entscheidende Voraussetzung für
ihr Überleben.
Geburtsverlauf - Erste Pflege der
Neugeborenen
Die ersten Pflegemassnahmen
sollte jeder Züchter kennen und perfekt beherrschen. Eine optimale
Versorgung der Welpen kann zu einer deutlichen Absenkung der
Welpensterblichkeit beitragen.
Freilegen der Atemwege
Der aus seinen Fruchthüllen gelöste Welpe muss sofort frei atmen
können. Eine der ersten Massnahmen ist deshalb das Befreien der
Bronchien von der Amnionflüssigkeit, die bei der Geburt stets in
geringem Mass in die Atemwege gelangt. Hierfür wird der Welpe mit
dem Kopf nach unten gehalten, die Maulhöhle mit zwei Fingern
vorsichtig geöffnet und der Welpe sanft geschüttelt. Dadurch treten
Schleim und Luftblasen aus der Nase und aus der Maulhöhle aus.
Alternativ oder zusätzlich kann man den Schleim auch mit einer
Babysaugglocke für Menschen absaugen. Bleibt die Atmung weiterhin
schwach, kann man einige Tropfen eines die Atmung anregenden
Analeptikums auf die Zunge träufeln. Aufpassen: Die medikamentöse
Anregung der Atmung darf erst erfolgen, nachdem der Schleim
abgesaugt und die Atemwege freigelegt wurden. Andernfalls aktiviert
man die Atmung bei noch verlegten Atemwegen und riskiert, den
neugeborenen Welpen zu ersticken.
Achtung: Zu starkes Absaugen kann einen Kehlkopfkrampf und ein
Absinken der Herzfrequenz hervorrufen.
Abtrocknen und stimulieren
Im Falle einer schwachen oder gar nicht einsetzenden Atmung muss
unverzüglich eine Brustkorbmassage oder eine Reanimation durch
Mobilisierung der Gliedmassen durchgeführt werden. Dies muss sehr
sanft geschehen, da die oft noch unreifen Welpen sehr verletzlich
sind. Für die Brustkorbmassage legt man die Finger an beiden Seiten
des Brustkorbes an und komprimiert diesen mit sanftem Druck 100 bis
120 Mal pro Minute. Anschliessend reibt man den Welpen sanft, aber
dennoch energisch mit einem trockenen, sauberen Handtuch ab. Das
Reiben wirkt als eine hervorragende Stimulation. Die Welpen fangen
häufig erst jetzt an, erste Quietschlaute von sich zu geben. Ein
Haarfön sollte dagegen nicht zum Einsatz kommen, da die Gefahr
besteht, den Welpen auszutrocknen oder gar zu verbrennen. Der
abgetrocknete und normal atmende Welpe wird jetzt zu seiner Mutter
zurückgesetzt. In der Regel setzt der Saugreflex unmittelbar ein,
wenn man den Welpen direkt an eine Zitze der Mutter anlegt. Ein
gesunder Welpe wird sich sofort an der Zitze festsaugen und ist dann
nur sehr schwer wieder davon zu trennen.
Desinfektion der Nabelschnur
Wenn die Nabelschnur nicht von selbst reisst, muss sie
unverzüglich einen Zentimeter vom Bauch entfernt mit einem Faden
abgebunden oder mit einer Nabelklemme abgeklemmt werden. Danach
durchtrennt man sie einen weitern Zentimeter davor und desinfiziert
den verbliebenen Nabelstumpf.
Wiegen der Welpen
Die Welpen werden unmittelbar nach der Geburt gewogen. Die
Überwachung der Gewichtsentwicklung in den ersten Tagen nach der
Geburt ist eine gute Möglichkeit zur Beurteilung des
Gesundheitszustandes und der Entwicklung der Neugeborenen.
Kann man einen unreifen, zu früh geborenen Welpen reanimieren?
Die Grundprinzipien der Reanimation bei unreifen, zu früh
geborenen Hundewelpen sind dieselben wie in der Kinderheilkunde.
Unreife Welpen, häufig durch einen vor dem eigentlichen
Geburtstermin durchgeführten Kaiserschnitt oder bei einer
vorzeitigen natürlichen Geburt (sehr grosser Wurf, Verletzung,
grosse Hitze etc.) geboren, leiden hauptsächlich unter
Atemproblemen. Ursache ist ein Mangel an einer körpereigenen
Substanz (Lungensurfactant), die das Entfalten der Lunge
unterstützt. Wenn kein Ersatz verfügbar ist, müssen dieselben
Massnahmen wie bei allen Neugeborenen eingeleitet werden: Zunächst
werden die Atemwege freigelegt, anschliessend wird der Patient mit
Sauerstoff versorgt. Die künstliche Beatmung mit einer
Sauerstoffmaske oder in einem Inkubator (Brutkasten) mit
kontrollierbarer Atmosphäre ist ein entscheidender Schritt bei
der Reanimation unreifer Welpen, die häufig unter Atemnot leiden.
Schliesslich wird der Welpe sanft aber intensiv mit einem trockenen
Tuch abgerieben, um die Herz- und die Lungenfunktion anzuregen. Es
lohnt sich in jedem Fall, einem Welpen nach der Geburt sehr viel
Zeit, also bis zu 30 Minuten und mehr, zu widmen. |