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Phasen der
Trächtigkeit
Die Trächtigkeit beginnt mit
der Befruchtung der Eizelle durch das Spermium. Der Züchter kann
eine Trächtigkeit bei seiner Hündin aber erst sehr viel später, etwa
um den 21. Tag herum, feststellen. Diese frühe Embryonalentwicklung
und die Einnistung des Embryos sind entscheidende Phasen für die
zukünftigen Welpen. |

Die Embryonalphase beim
Hundewelpen entspricht etwa der ersten Hälfte der Trächtigkeit. In
dieser Periode werden sämtliche Organe angelegt. |
Vorteile einer
präzisen Läufigkeitskontrolle
Wenn der Läufigkeitsverlauf mit speziellen Untersuchungen, z. B.
der Bestimmung des Progesteronspiegels, kontrolliert wird, kann der
Zeitpunkt der Ovulation relativ genau bestimmt werden. Züchter
beobachten dann sehr häufig, dass ihre Hündinnen genau zwei Monate
später werfen. Ein Beispiel: Am 25. September wird eine Hündin nach
Kontrolle des Läufigkeitsverlaufes mit Nachweis der Ovulation am 23.
September gedeckt. Diese Hündin wird häufig am 25. November
werfen...
Befruchtung und Einnistung
Die Befruchtung, die Vereinigung einer Samenzelle mit einer
Eizelle, findet weit oben in der Gebärmutter, in den Eileitern
statt. Am Ende der folgenden Woche wandern die Embryonen von dort in
Richtung der Gebärmutterhörner. Sie schwimmen in der
Gebärmutterflüssigkeit, bewegen sich darin fort und können sogar von
einem Horn in das andere wandern. So ist es möglich, dass die
Befruchtung im rechten Eileiter stattgefunden hat, und die
nachfolgende Einnistung im linken Gebärmutterhorn. Schliesslich
werden die Embryonen im Bereich einer Gebärmutterdrüse unbeweglich.
Diese Einnistung des Embryos in der Gebärmutterschleimhaut findet
relativ spät, etwa um den 16. Tag der Trächtigkeit statt. Erst ab
diesem Zeitpunkt beginnt die Entwicklung der Embryonen und ihrer
Embryonalhüllen.
Kann eine Hündin Welpen verschiedener Rüden in sich tragen?
Zur Beantwortung dieser Frage muss man sich lediglich das
Verhalten einer freilaufenden, läufigen Hündin auf dem Land
anschauen. Sie wird meist von mehreren Rüden verfolgt, die häufig
alle nacheinander zum Zug kommen. So können also Welpen desselben
Wurfes verschiedene Väter haben. Dies kann in der Hundezucht zu
Irrtümern und Betrügereien führen. |

Die Trächtigkeit beginnt mit der
Vereinigung von Samenzelle und Eizelle, der unmittelbar die ersten
Zellteilungen folgen. |
Zwei
unterschiedliche Phasen
Die Entwicklung des zukünftigen Welpen wird in zwei Phasen
unterteilt:
- Embryogenese: Hier bilden sich sämtliche Organanlagen aus. Neben
anderen markanten Ereignissen bilden sich z.B. die Augenlider am 32.
Tag, der Gaumen wächst am 33. Tag und die Zehen differenzieren sich
am 35.Tag. Wenn in dieser Phase beispielsweise das Zusammenwachsen
des Gaumens nicht vollständig abgeschlossen wird, wird der Welpe mit
einer so genannten Gaumenspalte geboren. Am Ende dieser Embryogenese
haben die zukünftigen Welpen ein geringes Gewicht, aber die Mehrzahl
aller Körperstrukturen und sämtliche Organe sind angelegt. Der
Embryo wird jetzt zum Fötus, bei dessen Betrachtung man bereits die
Art des entstehenden Säugetiers erkennen kann.
- Die Phase der Gewichtszunahme: Mehr als drei Viertel des
Geburtsgewichts der Welpen wird vom Fötus nach dem 40.
Trächtigkeitstag aufgebaut.
Gibt es Medikamente, die während der Trächtigkeit nicht
verabreicht werden sollen?
Medikamente sollten während der Trächtigkeit grundsätzlich so
weit wie möglich vermieden werden und nur nach tierärztlicher
Verordnung erfolgen. Häufig sind die Nebenwirkungen von
pharmakologisch aktiven Wirkstoffen auf das Embryo oder den sich
entwickelnden Fötus nicht ausreichend untersucht. Soll ein
Medikament angewendet werden, so muss man seine abortiven Wirkungen
(Ursachen für einen vorzeitigen Abgang des Fötus) sowie die teratogenen (Missbildungen auslösenden) und embryotoxischen (für die
Welpen giftigen) Wirkungen kennen und das Risiko im Einzelfall
abwägen. |
Die
Plazenta hat zahlreiche Aufgaben: Ernährung, Schutz, Hormonbildung |
Die Trächtigkeit
ist ein komplexer Austauschprozess zwischen der Mutter und ihren
Föten. Die Rolle der Hündin besteht darin, eine geeignete hormonelle
und anatomische Umgebung in der Gebärmutter zur Verfügung zu stellen
und die zukünftigen Welpen über die Plazenta (Mutterkuchen) optimal
zu ernähren.
Die hormonelle Funktion
Ein Hormon ist hauptsächlich für die Aufrechterhaltung der
Trächtigkeit verantwortlich: das Progesteron. Bei der Hündin wird
dieses Hormon von den Gelbkörpern der Eierstöcke vom Beginn bis zum
Ende der Trächtigkeit gebildet. Dies unterscheidet sie von anderen
Säugetierarten, bei denen das Progesteron zum Teil auch von der
Plazenta gebildet wird. Progesteron wird nach jeder Läufigkeit stets
über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten gebildet, und zwar
unabhängig davon, ob die Hündin trächtig ist oder nicht. Dieses
Phänomen hat mehrere praktische Konsequenzen. Zum einen kann die
Messung dieses Hormons nicht für die Trächtigkeitsdiagnose
herangezogen werden, da es normalerweise auch bei nicht trächtigen
Hündinnen nachweisbar ist. Zum anderen kann ein Abfall des
Progesteronspiegels bei einer trächtigen Hündin
- der Tierarzt spricht hier von einer Gelbkörperinsuffizienz
- zu einem Abort, also einem Abbruch der Trächtigkeit, mit
vorzeitigem Abgang der Föten führen.
Die Embryonalhüllen
Die Plazenta (Mutterkuchen) ist eine sehr enge Verbindungszone
zwischen der Mutter und ihren Welpen und stellt einen Ort des
Austausches zwischen den beiden Organismen dar. Beim Hund sind die
Blutkreisläufe der Mutter und der Föten nicht so eng miteinander
verbunden wie zum Beispiel bei der Frau. Dennoch liegen sie sehr
nahe aneinander, so dass zahlreiche chemische Moleküle und
Infektionserreger problemlos von einem Blutkreislauf in den anderen
übergehen können. Die Plazenta bildet ein den Fötus gürtelförmig
umschliessendes Band (Placenta zonaria). Ihr dunkelgrünes, fast
schwarzes Pigment ist zum Zeitpunkt der Geburt, sichtbar. |
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Physiologie der Trächtigkeit |

Progesteron ist das wichtigste Hormon
der Trächtigkeit |
Die Plazenta bildet
das Hormon Relaxin, das zur Trächtigkeitsdiagnose herangezogen
werden kann (siehe links). Der zukünftige Welpe wird von mehreren
Embryonalhüllen umschlossen. Die erste, den Fötus unmittelbar
umschliessende Hülle, ist das Amnion. Es ist durchsichtig und umgibt
das Neugeborene bei der Geburt. Die Amnionhöhle ist mit der so
genannten Amnionflüssigkeit gefüllt, in der der Fötus schwimmt. Sie
bietet einen mechanischen Schutz gegen Stösse, hat eine ernährende
Funktion und spielt eine entgiftende Rolle.
Das Amnion wird von einer weiteren, grösseren Hülle, der Allantois,
umschlossen. Sie stellt die weithin bekannte Fruchtblase dar, die
einige Minuten vor der Geburt platzt.
Können Infektionserreger von der Mutter auf den Fötus übergehen?
Zahlreiche Infektionserreger sind in der Lage, die
Plazentabarriere zu durchdringen, die Föten zu infizieren und so
Aborte oder Totgeburten auslösen. Zu diesen Infektionserregern
gehören Bakterien, Viren und Endoparasiten. E. coli und
Streptococcus canis, normale Bestandteile der Vaginalflora, aber
auch Brucella canis, Campylobacter spp. Mykoplasmen und Ureaplasma
spp sind Beispiele für Bakterien, die direkt in das Blut des
Fötus übergehen können. Die Herpesvirusinfektion des Hundes
verursacht Schäden an der Plazenta und wird so auf den Fötus
übertragen. Das canine Parvovirus Typ1 kann eine embryonale
Resorption auslösen. Das Staupevirus kann die Plazenta durchdringen
und Aborte durch eine Infektion der Föten auslösen. Die Larven des
Parasiten Toxocara canis wandern durch die Plazenta hindurch und
stören die Entwicklung neugeborener Welpen. Schliesslich verdächtigt
man auch die Toxoplasmose und die Neosporose, neonatale Tödesfälle,
beziehungsweise die Geburt toter Welpen mit einer
Herzmuskelentzündung hervorzurufen.
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Störungen bei der Befruchtung
Frühzeitiges Scheitern der
Trächtigkeit
Der Begriff Befruchtungsstörungen fasst alle Faktoren zusammen, die
eine Samenzelle darin hindern, eine Eizelle zu erreichen und mit ihr
zu verschmelzen, also sie zu befruchten. Nach dem Decken bleibt die
Hündin leer, da es nicht zu einer Trächtigkeit gekommen ist. In den
weitaus meisten Fällen ist eine ausbleibende Befruchtung auf ein
falsches Paarungsdatum zurückzuführen, es gibt aber auch andere
Ursachen, zum Beispiel Infektionen. |

Durch einen Scheidenabstrich kann man
Vaginitis diagnostizieren. Man bemerkt viele kleine Blutkörperchen |
Vaginitis
Es handelt sich um Entzündungen der Vaginalschleimhaut. Sie
kommen häufig vor, werden aber nur selten diagnostiziert weil sie
keine klar interpretierbaren Symptome hervorrufen. Betroffene
Hündinnen können eine geringgradigen Vaginalausfluss haben, ihre
Vulva belecken, anziehend auf Rüden wirken, obwohl sie nicht läufig
sind, oder wiederholte Harnwegsinfektionen entwickeln. Also nichts
sehr eindeutiges! Scheidenentzündungen sind eine häufige Ursache von
Unfruchtbarkeit bei Zuchthündinnen und müssen deshalb sorgfältig
diagnostiziert und behandelt werden. Die Diagnose ist aber meist
sehr schwierig. Die Untersuchung des hinteren Abschnitts der Vagina
mit Hilfe eines Spekulums oder die Beurteilung von Vaginalabstrichen
können zwar hilfreich sein (häufig stellt man zahlreiche weisse
Blutkörperchen fest), die Methode der Wahl ist jedoch die
Vaginoskopie. Dabei wird ein kleines Endoskop in die Vagina
eingeführt, um den genauen Zustand des Organs direkt visuell zu
beurteilen. Lokale und systemische antibiotische Behandlungen müssen
von längerer Dauer sein, da Antibiotika nur sehr schlecht in dieses
Organ eindringen.
Missbildungen der Vagina
Anatomische Anomalien der Vagina, wie z.B. eine Vaginalstenose
(Verengung) oder eine Vaginalhyperplasie (Bildung überschüssigen
Gewebes) während der Läufigkeit stören im Allgemeinen den korrekten
Ablauf des Deckaktes. Häufig fallen diese Missbildungen erst durch
solche Paarungsprobleme auf. In sehr seltenen Fällen fehlt der
hinter Abschnitt der Vagina, oder das Jungfernhäutchen ist noch
präsent. Ein entsprechender Verdacht entsteht, wenn die Hündin
während ihrer Läufigkeit keinen blutigen Ausfluss entwickelt. Das in
der Gebärmutter entstehende Blut kann in diesen Fällen nicht nach
aussen abfliessen. |
 
Endoskopisches Erscheinungsbild einer
Vaginitis (Scheidenentzündung). Oben erkennt man eine granulomatöse
Vaginitis, gekennzeichnet durch kleine Knötchen an der
Schleimhautoberfläche. |
Anomalien der
Eileiter und der Gebärmutter
Die Gebärmutter oder die Eileiter können infolge von angeborenen
Missbildungen (Segmentierung des Geschlechtsapparates,
Entwicklungsstörung) undurchlässig für Spermien sein. In diesem Fall
ist die betroffene Hündin von Beginn an steril. Es können aber auch
so genannte erworbene Missbildungen auftreten. An der Gebärmutter
können beispielsweise Verletzungen beim Gebären der Welpen oder
Verklebungen und Verwachsungen infolge eines schlecht ausgeführten
Kaiserschnitts entstehen. Die Diagnose erfolgt in diesen Fällen mit
Hilfe von Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen.
Missbildungen der Eileiter - angeboren oder erworben infolge einer
Infektion - werden mit Hilfe einer so genannten "Hysterosalpingographie"
diagnostiziert. Dabei wird ein Kontrastmittel in die Gebärmutter
injiziert, anschliessend werden Röntgenaufnahmen angefertigt, um die
Durchgängigkeit der Organe zu überprüfen. In der Praxis werden diese
sehr aufwendigen und komplizierten Untersuchungen bei Hündinnen
praktisch niemals durchgeführt, so dass die eigentliche Ursache in
solchen Fällen oft im Dunkeln bleibt.
Warum führen Scheidenentzündungen zu Fruchtbarkeitsstörungen?
Scheidenentzündungen bei ausgewachsenen Hündinnen haben meistens
bakterielle Ursachen. Mehrere Studien weisen sehr eindeutig darauf
hin, dass sie eine potenzielle Rolle bei Fruchtbarkeitsstörungen
spielen. In der Vagina können diese infektiösen Entzündungen ein
ungünstiges Milieu mit spermizider Wirkung (Spermien abtötende
Wirkung) schaffen oder eine Unbeweglichkeit der vom Rüden
ejakulierten Spermien hervorrufen, die daraufhin nicht mehr in der
Lage sind, in die Gebärmutter aufzusteigen. Vor allem aber steigern
Scheidenentzündungen das Risiko des Aufsteigens von Bakterien in die
Gebärmutter, insbesondere während der Läufigkeit, wenn der
Gebärmutterhals geöffnet ist. In der Gebärmutter können diese
Bakterien vaginalen Ursprungs schliesslich ein ungünstiges Milieu
für die Entwicklung der Embryonen schaffen (mögliche Folge:
vorzeitige embryonale Resorption), die Gebärmutterwand infiltrieren
und die Einnistung stören oder eine Entzündung der
Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) und der Plazenta hervorrufen (Plazentitis),
was in letzter Konsequenz zu einem Abbruch der Trächtigkeit führen
kann. |
Störungen bei der Einnistung
Dieser Begriff beschreibt
Trächtigkeitsabbrüche zum Zeitpunkt der Einnistung, also in der
Phase, in der sich der Embryo in der Gebärmutter festsetzen sollte.
Trotz sorgfältiger Läufigkeitskontrolle erweist sich die Hündin in
diesem Fall als nicht tragend, und der Tierarzt muss zunächst den
Zustand der Gebärmutter untersuchen. |
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Glandulär-zystische Hyperplasie
Diese Erkrankung der Gebärmutter hängt mit einer übermässigen
Reaktion der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auf die
Stimulation durch das Hormon Progesteron zusammen. Das Endometrium
besitzt zahlreiche kleine Drüsen, die sich übermässig
stark verdicken können, zystös werden und schliesslich zu einer
Verdickung der gesamten Gebärmutterwand mit Verlust ihrer
Elastizität führen. Dadurch werden die Embryonen an der Einnistung
in der abnorm veränderten Gebärmutterschleimhaut gehindert. In
einigen Fällen ist diese Anomalie bei der Ultraschalluntersuchung
der Gebärmutter zu erkennen. Gelingt dies nicht, muss eine
Gewebeprobe auf chirurgischem Weg entnommen werden (Biopsie).
Die glandulär-zystische Hyperplasie der Gebärmutter ist in vielen
Fällen irreversibel. Einige hormonelle Behandlungen (Anti-Progesteron,
nur in einigen Ländern erhältlich) haben sich gelegentlich als
wirksam erwiesen. Ohne erfolgreiche Therapie wird sie oftmals durch
eine sehr schwere Erkrankung kompliziert - die Pyometra (eitrige
Gebärmutterentzündung). Nach mehreren hintereinander folgenden
Läufigkeiten kommt es zu einer immer hochgradigeren Veränderung des
Endometriums. Die Ursache einer Pyometra ist eine Ansammlung von
Sekreten in der Gebärmutter, die schliesslich mit Bakterien
kontaminiert wird.
¡
Typisches Erscheinungsbild einer
Gebärmutter mit einer glandulär-zystischer Hyperplasie nach
chirurgischer Kastration. Ohne Behandlung entwickelt sich diese
Erkrankung zu einer Pyometra, die das Leben der Hündin gefährden
kann. |
 |
¡
Ultraschall ist das
Untersuchungsverfahren der Wahl für die Diagnose
der glandulär-zystischen Hyperplasie. |
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Gebärmutterinfektionen
Die Anwesenheit von Mikroorganismen, meist Bakterien, in der
Gebärmutter einer tragenden Hündin können zu einem
Trächtigkeitsabbruch im Zusammenhang mit einer Gebärmutterentzündung
(Endometritis) mit direktem Einfluss auf die Embryonen oder einer
infektiösen Entzündung der Plazenta (Plazentitis) führen. Im Falle
einer Plazentitis findet die Einnistung der Embryonen zwar statt,
anschliessend beeinträchtigen die Schäden der Plazenten jedoch sehr
schnell ihre Entwicklung und stören den Nährstoff- und
Sauerstoffaustausch zwischen der Mutter und den Embryonen. Diese
können in der Folge degenerieren und frühzeitig im Verlauf der
Trächtigkeit "verschwinden". Man spricht hier von einer
vorzeitigen embryonalen Resorption.
Für den Besitzer sind häufig keinerlei äusserliche Anzeichen
feststellbar, seine Hündin scheint lediglich unfruchtbar zu sein.
¡
Typischer Ultraschallbefund einer
vorzeitigen embryonalen Resorption. Bei dieser Hündin wurde eine
Infektion der Gebärmutter festgestellt. |
Diagnose der Trächtigkeit
Klinische Befunde und
Verhaltensänderungen
Auch bei einer so genannten Scheinträchtigkeit (Pseudogravidität)
verändert sich die Hündin körperlich und verhält sich, als ob sie
trächtig sei. |

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Der erste Monat
Aufgrund der späten Einnistung sind bei der Hündin zu Beginn der
Trächtigkeit nur sehr wenige und unspezifische Veränderungen
feststellbar. Etwa um die zweite oder dritte Woche ist gelegentlich
ein Rückgang des Appetits zu beobachten. Auffällige
Verhaltensänderungen sind dagegen meist nicht feststellbar. Einige
Züchter berichten, dass ihre trächtigen Hündinnen mehr schlafen -
ein wahrlich unsicheres Anzeichen!
Gegen Ende des ersten Monats vergrössern sich die Milchdrüsen, und
die Milchleisten werden deutlich sichtbar. Die Zitzen erscheinen
prall und bei hellhäutigen Hündinnen rosa gefärbt. Diese Anzeichen
sind jedoch keine sicheren Hinweise auf eine Trächtigkeit. Bei
einigen Hündinnen stellt man etwa um den 25. bis 30. Tag eine
Zunahme des Bauchumfangs hinter den Rippen fest.
Auch in diesem Stadium können einige Hündinnen noch ein bis zwei
Tage einen weisslichen oder transparenten, aber medizinisch
bedeutungslosen Vaginalausfluss an der Vulvakommisur erkennen
lassen. Dies bedeutet aber keinesfalls zwangsläufig, dass die Hündin
unter einer (eitrigen) Infektion der Gebärmutter (Pyometra) leidet.
Der zweite Monat
Die Trächtigkeit wird sehr schnell deutlich sichtbar. In dieser
zweiten Phase vergrössern sich die Milchdrüsen erheblich. Die
Milchbildung (Laktation) beginnt im Allgemeinen etwa 8 bis 10 Tage
vor der Geburt.
Es gibt hier jedoch grosse Unterschiede: Bei einigen bereits früher
trächtig gewesenen Hündinnen kann die Milchbildung bereits um den
40. Tag herum einsetzen, während erstmals trächtige Hündinnen unter
Umständen erst wenige Stunden vor der Niederkunft, manchmal sogar
erst während der Geburt, Milch bilden. Züchter haben in diesen
Fällen oftmals Bedenken, ob die Milchbildung für die Aufzucht der
Welpen ausreicht.
Der Bauchumfang nimmt jetzt weiter zu (ausser bei sehr kleinen
Würfen), eine deutliche Gewichtszunahme bei der Hündin findet aber
erst relativ spät statt, vor allem in den letzten drei
Trächtigkeitswochen, in einer Phase also, in der auch die Föten
deutlich an Gewicht zulegen.
Was ist eine Pseudogravidiät?
Die Pseudogravidität, auch Scheinträchtigkeit genannt, ist durch
eine Schwellung des Gesäuges, Milchbildung oder durch
Verhaltensänderungen (Nestbau, Bemuttern von Spielzeugen)
charakterisiert. Zu einer Pseudogravidität kommt es zwischen sechs
Wochen und drei Monaten nach der Läufigkeit, wenn der
Progesteronspiegel im Blut sinkt. Aktuelle Studien zeigen, dass 87%
der Hündinnen mindestens zwei mal in ihrem Leben eine
Pseudogravidität haben, 64% regelmässig. In der Praxis wird sie
weniger häufig bei Hündinnen von Züchtern festgestellt als bei
Familienhunden.
Bei einer häufigen Pseudogravidität besteht der Verdacht eines
erhöhten Risikos für Brusttumoren. Die Gabe entsprechender
Medikamente ist dann zu empfehlen. Verhaltensforscher verweisen auf
die Bedeutung dieses Phänomens bei Wölfen. Bei ihnen vermehren sich
nur die dominierenden weiblichen Tiere, die Brunst der anderen
verläuft synchron. Sie produzieren dann ebenfalls zwei Monate später
Milch und können als Amme dienen. |
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Abtasten und
Kontrolle des Hormonstatus
Der Tierarzt verfügt heute über
zuverlässige Methoden, um eine Trächtigkeit sicher zu
diagnostizieren. Züchter können bei einer frühzeitigen
Trächtigkeitsdiagnose den Wurf besser planen und mögliche Anomalien
rechtzeitig erkennen.
Die Palpation (Abtasten)
Ab der dritten Woche kann ein erfahrener Untersucher, die
Fruchtkammern (fötale Ampullen) mit den Fingerspitzen durch die
Bauchdecke ertasten. Hierzu werden die Hände zu beiden Seiten des
Bauches angelegt. In diesem Stadium fühlen sich die Fruchtkammern
wie kleine, kreisrunde Nüsse gummiartiger Konsistenz an. Um den 30.
bis 35. Tag werden sie etwas länglicher und beginnen allmählich
zusammenzufliessen, wodurch sie weniger gut gegeneinander abgrenzbar
werden. Zwischen Tag 35-40 und etwa Tag 50 sind die Tastbefunde auch
für erfahrene Untersucher nur sehr schwer zu interpretieren. Erst
gegen Ende der Trächtigkeit liefert die Palpation wieder
interessante Befunde. Jetzt fühlt man die Knochen der Welpen, und
zum Zeitpunkt der Geburt kann man das Voranschreiten der Welpen in
der Gebärmutter in Richtung der Vagina beurteilen. Bei etwas zu
fetten Hündinnen, bei sehr unruhigen Tieren oder aber bei Hündinnen,
die ihre Bauchdecke anspannen, ist das Abtasten sehr schwierig oder
sogar unmöglich. Die Palpation ist also keine jederzeit und bei
jeder Hündin anwendbare Methode zur Trächtigkeitsuntersuchung.
Die Auskultation (Abhören)
Die Auskultation (Abhören) des Herzschlages der Föten kann im
Verlauf des zweiten Trächtigkeitsmonats versucht werden. Die
Herzfrequenz der Welpen ist deutlich schneller als die der Mutter
und beträgt etwa 240 Schläge pro Minute. Diese Untersuchung ist vor
allem gegen Ende der Trächtigkeit von grosser Bedeutung, um
möglicherweise vorhandene krankhafte Zustände der Föten rechtzeitig
erkennen zu können.
Die Bestimmung des Hormons Relaxin
Dieser in der Hundegynäkologie relativ neu aufgekommene und sehr
schnell durchführbare Bluttest steht heute in allen modernen
tierärztlichen Praxen zur Verfügung. Aufgrund seiner ausgezeichneten
Zuverlässigkeit ist dieser Test eine gute Alternative für Praxen,
die nicht über ein Ultraschallgerät verfügen.
Der Test weist nach, ob das von der Plazenta und damit
ausschliesslich im Falle einer Trächtigkeit gebildete Hormon Relaxin
im Blutkreislauf der Hündin vorhanden ist.
Ist die Diagnose einer Trächtigkeit durch eine Kontrolle des
Progesteronspiegels im Blut möglich?
Bei vielen Tierarten (zB. der Kuh) ist durch eine
Progesteronmessung eine Trächtigkeit festzustellen: Wenn Progesteron
messbar ist, ist das Tier trächtig, wenn nicht ist es leer. Dies ist
jedoch bei der Hündin nicht möglich. Während des Metöstrus (Diöstrus)
also ungefähr zwei Monate lang, produziert die Hündin Progesteron,
ob sie trächtig ist oder nicht. Geringe Schwankungen zwischen der
Konzentration und dem Verlauf des Anstiegs scheinen zwar zu
bestehen, lassen sich aber in der Praxis nicht unterscheiden.
Deshalb ist die Diagnose einer Trächtigkeit bei der Hündin durch eine
Kontrolle des Progesteronspiegels nicht möglich. Wenn aber durch
Abtasten, Ultraschall oder Relaxinkontrolle eine Hündin als nicht
trächtig diagnostiziert wurde, ist es sinnvoll, Progesteron zu
messen, um eventuelle hormonelle Störungen, die dafür verantwortlich
sein könnten, festzustellen (z.B. eine Gelbkörperinsuffizienz). |
Ultraschall- und Röntgenuntersuchung
Bildgebende Diagnoseverfahren,
insbesondere die Ultraschalluntersuchung, liefern Informationen, die
mit keiner anderen Technik möglich sind.
Ultraschall ist ein wertvolles Mittel für die Diagnose und Kontrolle
des Trächtigkeitsverlaufes, da es die Überprüfung der
Lebensfähigkeit der Föten in Echtzeit gestattet. |

Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung
am 25. Tag nach der Ovulation kann die Grösse des zukünftigen Wurfes
abgeschätzt werden. |
Wann erfolgt die
Ultraschalluntersuchung?
Mit den Ultraschallgeräten der neuen Generation können die
Fruchtkammern (fötalen Ampullen) bereits ab dem Zeitpunkt der
Einnistung, also etwa um Tag 17 oder 18 nach der Paarung,
dargestellt werden. Es ist jedoch nicht ratsam, diese Untersuchung
so frühzeitig durchzuführen. In einem so wenig fortgeschrittenen
Stadium der Trächtigkeit sind die Ultraschallbilder noch nicht
charakteristisch, und selbst sehr erfahrene Untersucher können nicht
immer eine sichere Diagnose stellen. Wenn eine Hündin am 18. Tag
nach dem Decken untersucht wird, aber zu früh verpaart und
tatsächlich erst 5 Tage später befruchtet wurde, befindet sie sich
bei der Untersuchung erst am 13. Trächtigkeitstag, und im
Ultraschallbild erkennt man keine Fruchtkammern. Die Diagnose "nicht
trächtig" wäre in diesem Fall falsch. Um eine zuverlässige Diagnose
mit einem einzigen Tierarztbesuch zu erhalten, wird deshalb generell
empfohlen, Hündinnen erst um den 25. Trächtigkeitstag zu schallen.
Wurfgrösse und Stadium der Trächtigkeit
Mit Hilfe der Ultraschalltechnik kann man sich zudem ein Bild
von der Grösse des Wurfes machen. Allerdings ist die Welpenzählung
mittels Ultraschall nicht immer 100%ig genau, und bei sehr grossen
Würfen wird die tatsächliche Anzahl der Welpen oft unterschätzt
(z.B. stellt der Tierarzt 6 oder 7 Welpen in Aussicht, geboren
werden aber letztlich 9 Welpen). In der Praxis bedeutet dies, dass
die Schätzung umso genauer gelingt, je kleiner die Hündin ist und je
weniger Welpen sie trägt. Anhand des Ultraschallbildes lässt sich
das Stadium der Trächtigkeit ungefähr abschätzen, eine genaue
Datierung ist jedoch nicht möglich. Die einzigen Hunderassen, bei
denen Untersuchungen zur sonographischen Alterbestimmung
durchgeführt wurden, sind der Labrador und der Beagle. Professor
Gary, England hat Masse definiert (Durchmesser des Rumpfes, des
Schädels etc.) mit deren Hilfe das Trächtigkeitsstadium bis auf zwei
Tage genau bestimmt werden kann. Diese Massystem ist jedoch nicht
unmittelbar auf andere Hunderassen übertragbar.
Missbildungen und Lebensfähigkeit
In den späteren Stadien der Trächtigkeit kann der Untersucher
mittels Ultraschall versuchen, das Geschlecht der Föten zu
bestimmen. Dies ist aber häufig sehr schwierig, insbesondere, wenn
sehr viele Welpen vorhanden sind und das Ultraschallgerät keine sehr
scharfen Bilder liefert. Schliesslich können mit Hilfe des
Ultraschalls, wie auch beim Menschen, bestimmte Anomalien
dargestellt werden, insbesondere Missbildungen des Herzens.
Allerdings fehlen für den Hund noch Vergleichsbefunde, und die
meisten Missbildungen können vor der Geburt nicht diagnostiziert
werden. Man kann mit Hilfe des Ultraschalls auch gegen Ende der
Trächtigkeit und im Falle einer verzögerten Geburt den Zustand der
Welpen kontrollieren, indem man ihre Herzfrequenz und ihre
Eigenbewegungen überprüft.
Röntgenuntersuchung
Die Verknöcherung des Skeletts der Welpen beginnt erst um den
45. Tag, so dass Knochenstrukturen im Röntgenbild frühestens um Tag
50 sichtbar werden. Ab diesem Stadium geben Röntgenaufnahmen dem
Besitzer, im Unterschied zur Ultraschalluntersuchung, exakte
Informationen über die Anzahl der Welpen und nehmen ihm bei der
Geburt die Ungewissheit, ob noch weitere Welpen kommen oder nicht.
Aber Achtung, anhand einer Röntgenaufnahme, selbst wenn sie sehr
kurz vor der Geburt angefertigt wird, lassen sich keine
Informationen über die Geburtspositionen der Welpen gewinnen, da
sich viele Föten in den letzten Tagen vor der Geburt nochmals
vollständig drehen.
Wie lässt sich ein Trächtigkeitsabbruch erkennen?
Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung kann der fötale und
embryonale Tod sehr leicht nachgeweisen werden, selbst wenn
klinische Anzeichen, wie z.B. Vaginalausflüsse, oder ein Abgang der
Föten oder Teilen der Plazenta fehlen. Das charakteristische Bild
einer embryonalen Resorption tritt zwischen der 3. und 5. Woche nach
dem Decken auf. Man beobachtet das Verschwinden embryonaler
Strukturen, eine Verringerung des Umfangs der trächtigen Gebärmutter
und der Amnionflüssigkeit und ein unregelmässiges Aussehen der
Plazenta. Nach der Hälfte der Trächtigkeit erkennt man den Tod der
Föten anhand des Aufhörens ihrer Herztätigkeit, anhand der nicht
mehr vorhandenen Unterscheidbarkeit der fötalen Organe und
schliesslich anhand der fortschreitenden Auflösung der Föten.
Zusätzlich können die Plazenten abnorm verändert und die fötalen
Flüssigkeiten vermindert erscheinen. Im Falle einer systemischen,
also den gesamten Organismus der Mutter betreffenden Erkrankung oder
Störung (hormonell oder infektiös), ist der gesamte Wurf betroffen.
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In Röntgenaufnahmen ab Tag 50 können
die Welpen gezählt werden. |
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Pathologien der Trächtigkeit
Bakterielle Krankheiten
Infektionskrankheiten sind wahrscheinlich die Hauptursache von
Unfruchtbarkeit in der Hundezucht.
Unter diesen Infektionskrankheiten findet man zahlreiche bakterielle
Infektionen.
- Bruzellose
- Mykoplasmen
- Unspezifische Bakterien |
Virale und parasitäre Krankheiten
Die in der Hundezucht seit einigen Jahren bekannteste Krankheit aus
dieser Gruppe ist zweifellos die Herpesvirusinfektion.
Jüngste epidemiologische Studien in Europa zeigen, dass die grosse
Mehrzahl aller Hundezuchtzwinger kontaminiert ist.
- Das canine Herpesvirus
- Weitere Viren
- Parasitenbefall |
Hormonelle Anomalien
Im Falle wiederholter Aborte bei einer ansonsten symptomfreien Hündin
ist eine Kontrolle der hormonellen Funktionen zu empfehlen.
- Progesteronmangel
- Hypothyerose (Schilddrüsenunterfunktion)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) |
Weitere Ursachen
Die Störungen der Trächtigkeit kommen seltener vor, stellen jedoch
meist echte Notfälle dar, nicht nur für den Wurf, sondern vor allem
für die trächtige Hündin
Der Züchter muss diese Situation sehr schnell erkennen, um
rechtzeitig tierärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können.
- Extrauterine Trächtigkeit
- Gebärmutterdrehung
- Nabel oder Leistenbrüche
- Stoffwechselstörungen: Hypokalzämie (Kalziummangel im Blut)
Hypoglykämie (Unterzuckerung) und Azetonämie |